music for a day

Freitag, 28. April 2017

New Blog for the Kids

FREUND*INNEN der POesie!

ihr findet mich ab sofort unter www.nachbereitungistalles.com 

neue, fesche, superseite. dort gibt es nicht nur literarisches, sondern auch fastfakten, schwänke und andere wörter. auch schöne musik, wer nicht lesen mag.

kommt vorbei!

Sonntag, 29. Januar 2017

süßes soll nicht, süßes ist

sie würde gern einen neuen tag ausstanzen, den puderzucker auf ihm setzenlassen und sich so das süße leben lange anschauen. wenn der zucker in den teig sinkt, hebt sie das sieb und fächert neu eine angenehme menge gezuckertes darauf. so müsste die welt funktionieren: wie backen ohne maßangabe, sondern nur mit denen, auf die wir hunger haben.
es ist aber nun die situation konkret, dass der bus nach zwiebeln ohne schale riecht und das gerade noch gefühlte gefühl von zufriedenheit, erfülltsein – ja vielleicht ernsthaft glück! – mit einem mal zerstäubt ist in die nacht. oder ist es die stadt? gerade noch war sie da draußen vor den beschlagenen fenstern und man konnte ihr „hallo, hier bin ich“ sagen, wenn man mit der hand über die haut aus glas gestreichelt hätte. aber die zwei in der bar blieben sitzen. wenn überhaupt hätten sie das fenster noch milchiger gehaucht, nur so als geste, nur so zum kosten, denn danach kann man die lippen langsam schließen, als hätte man sonderbar süßes gesagt.
es war ganz richtig, wie der geruch vom raum der bar zum gang der toilette wechselte, so plötzlich wie das langsame schließen der lippen den puls rennen lässt: sie bekommen hochrote wangen, die augen werden glasig wie das fenster einer bar und in ihnen erahnt man eine ganze, noch unentdeckte stadt. die zwei treffen sich immer nur im schmalen gang, dort halten sie sich am postkartengestengel fest, sortieren an ihm interessiert herum, als gäbe es da eine kurzentschlossene verbalisierung des gerade gefühlten gefühls von glück zu finden. es kam vielleicht die karte der schaubühne noch am ehesten dahin.
es fällt ihnen schwer daran zu glauben, sie werden sich wiedersehen, wenn es soll. denn was soll schon? geht es doch so oft darum, dass süßes nicht soll, sondern mehr so… ist. 


image1-4

seitenspiegel (abgefahren)

die halle ist voll und da frage ich mich: passen denn all die leute in ein herz.
so viele hallen sind groß genug und so viele herzen sind wie die parkplätze in berlin-wedding: nicht vorhanden oder zu eng. und es gibt eh immer nicht genug davon, so wie angeblich von der liebe. so schrei ich aus einer plötzlichen eingebung heraus in die halle hinein „ich parke heute illegal, mir doch egal, scheißegal, ob das gegen alle regeln geht“. offenbart werden herzen nämlich nicht und getanzt wird auch nicht in deutschland, lieber fahren wir uns die seitenspiegel ab.
es gibt da diesen spruch, von wegen wir seien zu verkopft. wenn das stimmt, dann fahren wir uns doch einfach auch einen kopf kürzer und sehen, was passiert. schnippi schnapp, ratio ab und ich sehe diese halle nicht mehr. ich weiß nur noch, ich stehe und bleibe und weiß nicht mehr, ob sich die leute endlich zur musik bewegen. was bleibt, ist ein herz, das so groß ist wie die landebahn berlin-tegel. ich hab genug platz, um zu beschleunigen, abzuheben und in dieser boing ein paar hundert leute mitzunehmen. ihr! leute!, es gibt gratisschnaps mit gurke, dazu stäbchen und ein malbuch für die achtsamkeit. und jetzt juchhe, die botschaft über erde, weil sich so viele dinge sagen lassen, wenn wir denken, gleich würden wir sterben:
wir sind einigen fehlannahmen erlegen: herzen wären eng wie parkplätze. liebe wäre begrenzt wie eine halle.
welch illegale gedanken . voll abgefahren .


spiegel

dreck reinigt den magen

wenn ich nicht nachdenke, ist alles gut. dann kann ich zu lidl gehen, zu aldi, zu penny und milch für 49 cent kaufen. dann kann ich mich zwischen den 23 wasserfesten mascara entscheiden und mir überlegen, dass ich jedes jahr meines lebens eine andere marke benutzen kann und ob das dann fair ist, also für jedes unternehmen ein jahr meines lebens, damit alle gleich viel an mir verdienen. dann bin ich doch ein guter mensch.
wenn ich nicht nachdenke, ist wirklich alles in ordnung. dann kann ich mich darüber freuen, dass ich noch ein paar jahre studiere, dass ich gute karten hatte und ein leben mit heimlichen kontostand, weil bio oder nicht für ihn keinen unterschied macht. ich kann dann mit einem spöttischen lächeln die neue iphone werbung in meinem postfach löschen und denken, ach dieser konsum, ach diese technik, ich brauche das ja  nicht,
ich bin ja frei, ich kann ja auch im wald leben. ich muss mir nicht eingestehen, dass ich die milch für 49 cent nicht selber melken könnte, dass kein huhn bei mir eine woche überleben würde, so wie all meine pflanzen, die ich alle vier wochen wegschmeiße und durch neue ersetze. natürlich will ich natur, natürlich will ich grünzeug. aber bloß bitte nicht für gegenleistung.
ja wenn ich jetzt anfange nachzudenken, schmeckt die welt so wie der belag von hauptstadtstrassen, den 99 prozent von uns schön sauber ablecken, damit die anderen auf roten teppichen gehen können. wenn ich jetzt doch lieber nicht nachdenke, schmeckt alles wieder nach erdbeerlabello. ich weiß, was ich lieber schmecken will. ich weiß, womit ich meine zeit verbringen will.
ich will gern glauben, dass wir die straßen mit kunst und plakaten leer fegen können, damit endlich genug platz ist für alle, die mal aufstehen und die glieder strecken wollen. damit mal ruhe ist. vielleicht können wir uns dann auf den boden setzen und mal ein bisschen nachdenken. ich kam da in letzter zeit gar nicht zu, ich muss ja ständig grünzeug ersetzen und nach illegalen serienanbietern im netz suchen, das kann eben auch dauern. angenommen ich ließe das alles bleiben, bin ich wahrscheinlich echt nicht gut drauf in nächster zeit, aber das macht nichts, das gönne ich mir. schlechte laune für alle! griesgram für die revolution! ich esse dann mit runzelstirn und hängenden mundwinkeln meinen erdbeerlabello restlos auf (schmeckt auch scheiße), aber das gönne ich mir, das ist ja bloß eine metapher für die künstliche süßigkeit der welt, YAMMI.
friss sie auf, dann is sie weg.

museum2

junger mann mit platzangst bleibt daheim




ich lag heute den ganzen tag im bett und habe eine sogenannte „serie“ geschaut, die keine ist, denn serien wären seriell, also eins aufs andere und nicht immer dasselbe. danach habe ich fünfzehn glücksnüsse geknackt, in denen mir 7 fette und 7 dürre jahre innerhalb der nächsten 7 versprochen wurden.
das verstand ich nicht, deshalb ging ich doch noch raus ( unter menschen und so weiter ) und traf vor meiner tür die litfaßsäule, die da schon immer steht und auf frohe botschaften wartet. heute raunte sie mir zu: du hast keine lust mehr, jeden tag, was neues klarzumachen, ich weiß. hier ist die alternative: du solltest lieber u-bahn fahren, junger mann. setz dich in kuschelige viererabteile und stell die prallen einkaufstüten zwischen die füße. dann wird es enger. dann wird es heißer. fürchte nicht, dass sich jemand über deine schenkel beschwert. leute mit platzangst bleiben in großstädten grundsätzlich daheim.
sei einfach froh, dass dich nicht mal deine mutter früh halb fünf abholt, so kannst du noch ein bisschen gucken, was auf dem sitz schräg gegenüber so abgeht, damit dir ganz eventuell auch einer abgeht. der sitz gegenüber fährt mit zwei möpsen durch die nacht, natürlich sind die hunde gemeint, ich bitte dich. lass nicht die fantasie mit dir durchgehen. ich bin doch auch nur eine arme litfaßsäule. ich übermittle simple botschaften, mehr traue ich dir nicht zu, junger mann. du kommst gerade von deinen serien, du weißt nicht, was dir die nächsten 7 jahre bevorsteht, du hast angst, keinen platz abzubekommen. ich biete dir ablenkung. ich fange dich ein, mit möpsen und deiner mutter.
ich tue das, weil ich dich liebe.


bvg
lieber litfaß, sag ich da, wegen säulen wie dir bleiben leute wie ich lieber daheim. wir kriegen platzangst zwischen deinen gelbschwarzen schenkeln. ich würde mich gern über sie beschweren gehen, aber ich als junger mann weiß ja nicht: an wen sich wenden? womöglich sagt mann mir dann, ich hätte die botschaft nicht verstanden.
hab ich aber wohl: sie war ja simpel.

please buy don't beg, miss aufziehvogel



ich hab dich aus dem kühlregal, damit du schön frisch bist, in den korb gelegt zu den anderen produkten für 0,99. es ist mir egal, wie du hergestellt wurdest, woher du kommst, unter welchen bedingungen, du aufgewachsen bist. hauptsache du schmeckst gut. ich bezahle für dich mit kreditkarte, damit die rechnung erst in vier wochen kommt, da fühlt es sich nicht so an, als würde ich gerade echt was investieren. verkäufer x freut sich über den kauf, ich hätte da etwas ganz feines ausgewählt, wirklich ideales preisleistungsverhältnis. staubt nicht, muckt nicht, der akku hält ewig.
ich kaufe dich, weil die welt recht deprimierend ist so ohne spielzeug. ich hätt da gern wen, der mir bunte lichter beschert, mir die schultern massiert und ewig gleiche sätze sagt, die beteuern: du bist ganz große klasse. es ist doch schön zu hören, selbst wenn man es nicht glaubt. es ist doch schön zu kaufen, selbst wenn man es nicht braucht. dann blinkt es wenigstens, dann trillert eine stimme im hintergrund, dann gibt es schaum in der badewanne und wärme im bett. ich gebe ungern zu, ich brauche licht und glimmer. deshalb kaufe ich dich, ein kassenbon der mir ein alibi gibt, der sagt: i am strong i buy i dont beg.
du bist mein neu verpacktes plastikelfchen mit aufziehbaren flügeln. du trägst bunte kleider und lachst immer laut, damit der intelligente käufer was zu schmunzeln hat. du hast mal gedacht, du würdest gern die welt verändern, was immer heißt die menschen, was immer heißt die männer. mit optimismus wolltest du das licht ins melancholische miefnest des konsumenten bringen, aber wurdest aufgezogen. jetzt flatterst du an der decke, kommst nicht mehr runter von dem trip als engelchen den käufer zu beschützen.
du bist ein schönes hübschen flatterchen, das gegen den kokon von eingespannten klopft, um mal zu hören, ob noch was gewünscht wird. wie wär’s das nächste mal mit freiheit, miss aufziehvogel?



dsc_0089

hacken wir stolz

für 19,99 im monat austauschservice für mein leben. es läuft so: wir wechseln die identitäten. heißt ich bin du und du bist ich, ich wollt eh immer schon wissen, was du eigentlich bist. wir tauschen nummern küchen iTunes mediatheken und lauschen mal rein… welchen titelsong wählen wir für das, was andere leben? schrummschrummschrumm und trommelwirbel, ich nehm den langsamen blues mit gelegentlichen metallsägen.
so geht es los, ich klicke auf buchen, akzeptiere die agb, die mir sagen, ich müsse du sein für einige tage und könne nicht stornieren. ich wähle zahlungsart, schnellsten versand und öffne dein paket nur wenige stunden danach. du bist in harte schalen verpackt, innen mit schutzfolie verkleidet, damit nichts durch etwaige löcher schlüpft und dann zieh ich dich raus, schraub den kopf ab, zwänge mich rein und mach die augen auf.
hallo, leben von dir! schön, dich mal von innen kennenzulernen – aber moment. das hier, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. das sieht doch alles aus wie-. das ähnelt ja gewissermaßen… mir ! das atmen ist gleich, das mag erstmal kein großes zeichen sein, aber dann schaue ich raus aus dir und stelle fest: alles schon mal gesehen. auch hier diese leute, die wollen was von dir und jetzt von mir, aber wir beide nix von ihnen. es gibt tage, da wäre es die bessere wahl bis zwölf zu schlafen, schokolade statt pülverchen zu essen und mit niemandem zu sprechen. aber diese tage soll’s nicht geben, also steuern wir herum mit kleinen augen und wenigen worten und hängen am abend bei amazon, in der hoffnung, es gäbe einen austauschservice für’s alltägliche leben. ich guck mir das einige tage kopfschüttelnd an, es scheint unmöglich, das paket wieder abzugeben, man möchte es auf den kopf stellen und alle teile einzeln in die arme nehmen. aber wie es immer ist mit den fantasien, sie haben ein ende, sie müssen wieder zur rückgabe, sonst müsste man ja doch für sie bezahlen.
ich krabbel wieder raus aus deinem kopf und schaue dir nach in den armen des typen von der post. die sache ist: dein päckchen zu tragen, hilft mir, meins zu zerlegen. deins kann ich dir nicht abnehmen, ich kann es nur wiegen. lass uns doch nachschauen, welche unnötigen schlüpfer du packst und welche fleischfarbenen overalls zur tarnung mich schmücken. dafür muss aber der kopf ab. ja, der kopf muss ab, sonst stecken wir uns ja doch wieder nur gegenseitig in die kutsche für die retour.
ach komm, kopf, wenn wir dich hacken, dann hacken wir stolz.


image2-2

Dienstag, 20. September 2016

gestatten, mein name ist leben. schönes leben.

du kannst eine straße entlang gehen, wegbier, weglied, bloß weg mit dem zeug, denkst du da und nimmst den mund wieder voll. du depp hast nicht berechnet, was da um die ecke schießt. es ist:

LEBEN mein Name, HALLO!


ich mach jetzt BOOM mit dir und ziehe dir die ohren lang. genieße das streicheln, wenn es kommt, ich hab da nicht ständig zeit für. die meisten menschen sind fies oder faul oder beides zusammen (und in letzterem fall meistens auch noch mächtig). das ist unangenehm, ja, ich hätte auch lieber einen anderen job in einer anderen welt, aber jetzt bin ich hier und habe viele ohren langzuziehen.
du lieber depp hast heute den jackpot geknackt: du bist dran.
du trägst eine brille, obwohl du keine sehschwäche hast.
du hasst bloody mary, aber hast gestern nacht WIEDER zu viel davon gehabt.
schau dir deine magen-darm-kanäle an: schön matschig, echt sauer.
du bist ein bebrilltes schaf, das kläfft und versucht, aus dem napf bloody mary zu trinken. immerhin bist du nicht mächtig, das wäre wieder total unangenehm. immerhin wählen dich keine menschen, immerhin glaubt niemand, du wärst die alternative für ihr angsterfülltes leben.
leben... so viele reden über mich, meistens nur deppen, sie nennen mich "schön" und lassen sich überhaupt niemals die ohren langziehn. sie sind gut im verstecken, gut im so-tun-als-ob, sie machen die tür nicht auf und sagen, sie seien beschäftigt. (dabei sehe ich, sie versuchen gerade ihre meinung zu _hier sinnloses thema des 21.jhd. einsetzen_ in die 140 zeichen ihrer twittermeldung zu quetschen) sie wissen nicht: früher oder später krieg ich sie alle. oder wie mensch so schön sagt:
das leben beschert dir einen moment.

du kannst eine straße entlanggehen, wegbier, weglied, es geht ungefähr so: ich hab heut eigentlich echt viel zu tun, muss mein leben in die hand nehmen und mal richtig was schaffen. aber es ist der letzte warme sommerabend, riech doch mal, spür doch auf, jetzt lass halt einfach die zukunft ihre musik spielen, früher oder später tanzt du schon die richtigen schritte dazu. und da, da geht's los: da kommt die große liebe um die ecke.


HALLO, LEBEN mein Name. 

rühr dich nicht, bleib kurz so wie eben, ich streichle dich jetzt.

 

Donnerstag, 8. September 2016

Flug QR077, Sitzplatz 1A (Buisnessclass, linker Flügel Mitte, inklusive Turbinenfußheizung)

von hier oben sieht es aus, als würde das flugzeug in den wald hineinfliegen. ich glaube, die piloten da vorn haben eine wette am laufen. wer die baumkrone berührt, gewinnt. was ich an flugzeugen beständig nervig find: man kann das fenster nicht aufmachen, um sich ein blatt zu zupfen, ein stück wolke zu fassen, um auf sein pappiges schleimkartöffelchen ein bisschen zuckerwatte zu legen. (sie fragen sich jetzt, wie ein kartöffelchen gleichzeitig pappig und schleimig sein kann, man würde meinen, das widerspricht sich doch. fragen sie mal die flugcateringservices, die kriegen das total gut hin.)
was auch tragisch ist aufgrund der fehlenden fenster: man kann keine sterne mitnehmen und illegal einführen, so wie meine 50 korallensteinstücken, die unten im frachtraum liegen und sich freuen, am zoll vorbeizuzuckeln, weil ein mädchen mit rucksack und glücklichen augen kontrolliert keiner. hach, die funderwollen vorteile des sexismus, sie seien hiermit ausgenutzt und gleich wieder abgelehnt.
man kann in flugzeugen das fenster nicht aufmachen, das geht nicht mit rechten dingen zu. ich verstehe den piloten (es war wirklich ein männlicher mensch, da hilft alles gendern nicht), der die baumkronen mit dem bauch kitzeln will. wo es schon keine fenster gibt, muss man auf andere weise den tastsinn simulieren. was aber auch schlimm ist an flugzeugen: es gibt tatsächlich auch keine türen, die sich öffnen lassen. nicht eine einzige tür! man kann nirgendwo rausgehen, frische luft schnappen und auf den flügeln balancieren. dabei, ich mein, wozu sind die sonst da? wenn schon nicht, damit man als mädchen mit rucksack und glücklichen augen ein wenig im herabschauenden hund den neuen tag begrüßen kann? auch sind die flügel etwas abschüssig in eine richtung, doch wohl damit man bequem die füße über den rand baumeln kann und keine ecke in die kniekehlen drückt. flugzeuge sind eindeutig dafür gemacht, kurz vor dem flughafen tegel auf die nächstbeste baumkrone zu springen, auch das geht elegant durch die angeschrägten flügel. es ist eher ein hinuntergleiten und weniger ein springen. und wer es doch extravagant möchte, nimmt den sanften hüpf von der turbine. wer auch immer das mit den flugzeugen angefangen hat, muss eine tolle phantasie gehabt haben, nur das mit den fenstern und mit den türen war irgendwie nix. da hat wieder einer kurz vor schluss keine lust mehr gehabt. hätte die person mal lieber angefangen, bücher zu schreiben. wär vielleicht produktiver gewesen, da ist es nicht so schlimm, wenn man nicht zum schluss kommt, das nennt man dann offenes ende. wäre ja auch für die umwelt fast das gleiche gewesen. bäume zu bestsellern pressen oder co2schiffe für jungs mit akte und unglücklichen augen in segel setzen.
ich habe neulich irgendwo gelesen (wie man ständig irgendwo irgendwas liest, von dem man dann eine ahnung hat), dass es jetzt bald flugzeuge geben soll, die aus der atmosphäre schießen und dann wie raumschiffe ein bisschen im weltall schweben. das geht angeblich schneller. ich sage, wer braucht denn das?
baut lieber flugzeuge mit offenen fenstern und sperrangelweiten türen. dann muss mädchen mit rucksack und glücklichen augen nicht darüber blogs schreiben, sondern kann's einfach machen. also das mit dem fliegen. das wäre doch wirklich produktiver gewesen.



1A


Montag, 1. August 2016

die metamorphose der spinne

plötzlich sind da wieder wände, also echte wände aus mauer und tapete, darüber eine schlecht gestrichene schicht farbe und in der linken ecke über dem bett hängt diese spinnwebe, die ich immer noch nicht mit dem besen entfernt habe. die hängt da auch schon seit drei jahren.
die augen sind träge, stecken in ihren höhlen fest wie meine nachbarin in ihrer to-do-liste, die sich auf möglichkeiten der geldbeschaffung beschränkt: selbstgebastelten traumfänger bei dawanda verkaufen, vintagekleidung vom vorsommer versetzen, schulden von maren verlangen und keinen bioeinkauf mehr vornehmen. läuft bei ihr. bei mir hängen sich die traurigen augen an die spinnwebe, um nicht einschlafen zu müssen. wie soll das auch gehen mit den wänden drumherum? wie soll das denn funktionieren ohne himmel und knisternde zeltplane?
manche machen es wie spinnwebe: sie hängen sich an wände, bestenfalls in die ecke, wo es klare fixpunkte gibt, an die man sich heftet und der wind nicht so zieht. ich mache das auch gern, ich hänge gern im dreieck und mache mich dünn. von zeit zu zeit kommt aber auch dorthin ein stoß vom besen. der reißt einen weg. raus in die welt.
das kam bei mir erst neulich vor, als ich eigentlich noch mit der einen haftung an pflichterledigung beschäftigt war und mit der anderen bewältigung von kindheitserinnerung. der besen war aber gebucht, der mich herausnehmen sollte aus diesen ecken und kanten und es gab kein "ich überleg's mir doch nochmal anders". der zug wäre nicht ohne mich abgefahren. für uns spinnweben ist es nicht ganz einfach, aus dem rahmen zu fallen. es fühlt sich an wie ein hirnriss. ist der horizont nur erst einmal eröffnet, macht der gedanke an rückkehr ins alte uns fertig. aber völlig. wir wissen plötzlich wie es ist, nicht abzuhängen und zu warten auf beute in unserem netz. wir haben erfahren, wir können auch hinausgehen und leute umarmen. wir haben aufgehört zu weben und angefangen zu gleiten.
es ist so: aus spinnen sind fliegen geworden. sobald wir einmal geflogen sind, bedeutet das heimatliche netz eine falle und die wände sind nicht halt, sondern stall.
wir wollen nicht gefangen werden.
wir wollen nur die spinnwebe mit dem besen entfernen,
also den dorn aus dem auge nehmen
um endlich friedlich zu schlafen.